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2016 erschien mein Fantasy-Roman "Das Feentuch" Wer wissen will, was im fernen Schottland geschieht, findet das Buch beim Klick auf das Bild bei Amazon für 12,99 €

Auch alle E-Book-Leser können  "Das Feentuch" herunterladen.:  

Selbstverständlich gibt es mit der "Blick-ins-Buch-Funktion" eine Leseprobe. Also auf ins magische Schottland!

Aufrecht gehn, den Himmel sehn

Neben meinen Büchern, die durchweg in der Unterhal-tungslektüre ihren Platz haben, ist ein biblisches Musical für Kinder ab sechs Jahre in Chor-und Theatergruppen erschienen. In diesem Buch befinden sich Lieder, Sprechtexte und Notenmaterial für eine 30-minütige Aufführung.  In sechs Szenenbildern und ebenso vielen Liedern begegnen die Kinder Sarah, deren Blick auf den Boden gewandt ist und die an dieser Last schwer trägt. Und sie erfahren, was geschieht als Jesus in Sarahs Leben tritt... Das Buch im lese- und musikerfreund-lichen Großformat ist bei Amazon erhältlich.

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Lachnummern

Ich habe schon häufiger erzählt, dass die Radioberichterstattung mir gelegentlich den einen oder anderen Lacher beschert oder Erstaunen, Verwirrung und ähnliche Gefühle hervorruft. An diesem Wochenende waren die Lachnummern an der Reihe und das gleich in dreifacher Ausfertigung:

Nummer 1: Der Ameisen-Fachberater, der auf die Frage, was ein Ameisen Fachberater so tut, lapidar antwortete: Ich kümmere mich um Ameisen! Ach, nee? Darauf wäre ich ja nun gar nicht gekommen. Aber es bleibt natürlich nicht bei dem einen Satz und am Ende wird dem Hörer klar, welche Aufgaben so ein Fachberater wahrnimmt. Er berät auf jeden Fall nicht die Ameisen. Eher geht es um Erhaltung und Ausweitung des Lebensraums der kleinen Tierchen, die bekanntlich in Kolonien leben, die ich ganz unbiologisch als Haufen bezeichne. Aber ich bin ja auch kein Fachberater. Am Ende des Beitrages verabschiedet sich der Moderator artig bei dem Herrn und der heißt doch tatsächlich Bär. Ich beginne, haltlos zu kichern. Welch schönes Wortspiel uns da in den Schoß fällt, das der Radiomensch leider ungenutzt lässt. Oder hat dem „Ameisen-Bär“ das tatsächlich noch nie jemand gesagt?

Mich jedenfalls bringt es zum Lachen, ebenso wie Fall Nummer 2:

Ein Mann – hier fällt auch dem Moderator auf, wie schräg es ist, dass es sich um Herrn Zahn handelt – will zum gleichnamigen Arzt. Er parkt seinen schnittigen 300.000 Euro teuren Schlitten an einer Weide. Bevor er das Fahrzeug verlässt, erscheint hinter ihm ein gefräßiges, graues Wesen mit langen Ohren, das den Kopf über den Weidezaun neigt und die Zähne genussvoll im teuren Kotflügel versenkt, sich sogar ein Stück herausbeißt. Carbon scheint für Eselszähne kein Hindernis darzustellen. Der Fahrer, verständlicherweise voll Schreck, findet den Startknopf nicht und der Esel wagt einen zweiten Leckerbissen. Der Eselbesitzer wird sich grämen. Die Reparatur kostet etwa 30.000 Euro. Ein Sack voller Möhren oder Heu wären da kostengünstiger gewesen.

Und nun nochmal zum lieben Geld: Das goldene Klo im New Yorker Guggenheim Museum. Verzapft hat den Mist der Italiener Maurizio Cattelan. Er will den Menschen - Zitat: „…eine nie dagewesene Intimität mit einem Kunstwerk…“ ermöglichen. Bloßstellen soll es in seiner Dekadenz u.a. auch die Exzesse des Kunstmarktes. Aber Achtung: Sie sollten es nie zu eilig haben. Die Schlange kann schon jetzt lang werden und führt das Ding meines Erachtens ad absurdum. Ich überdenke, ob meine Meinung, dass Kunst immer im Auge des Betrachters liegt, nicht was fürs Klo ist…

Das staunt der Laie und der Fachmann wundert sich
Es geschieht gelegentlich, dass mich Weltereignisse in Erstaunen versetzen. In diesem Fall scheint es jedoch anders herum zu sein: Die Welt ist erstaunt, dass die NSA wahrhaftig nicht nur Kanzlerinnen-Telefonate belauscht und mitgeschrieben hat. Mutti war nicht die Einzige, bei der man ein Ohr am Rohr hatte, präsentierten die Nachrichtensprecher im Öffentlich-rechtlichen gestern voller Empörung. Eingeblendete Fragmente eines Mitschnitts, darin enthalten die Wörter „Greek financial crisis“ (Griechenlands Finanzkrise), „at a loss“ (ratlos) und „haircut“ (Schuldenschnitt). 

So jedenfalls lauten Übersetzung und Interpretation der Experten. Ich hingegen wage eine gänzlich andere Auslegung. Was, wenn Frau Merkel stattdessen mit ihrem Freund Sigmar Gabriel (oder dessen Sekretärin) darüber gesprochen hat, dass es ihrem griechischen Friseur finanziell gar nicht gut gehe und sie deshalb ratlos sei, ob sie sich dort noch einmal einen Haarschnitt verpassen lassen soll? Wer weiß schon, ob mit stumpfer Schere nicht die falschen Zöpfe abgeschnitten werden?

Gleichwohl – ich bin nicht einverstanden damit, wenn Geheimdienste Dinge hören, die nicht für ihre Ohren bestimmt sind. Aber wer jetzt noch damit rechnete, dass ein Kanzlerinnen-Handy alleiniges Ziel solcher Operationen war, sollte wirklich besser zum Friseur gehen, als in die Politik.

Wobei die Welt sonst noch so zuschaut, lesen Sie unter Neues aus dem Blätterwald

Neues aus dem Blätterwald - Leuzismus

Leuzismus - was wie eine ansteckende Krankheit klingt, ist nichts weiter als eine Laune von Mutter Natur. Zunächst dachte ich, als mir eine weiß gefleckte Amsel begegnete, dass ich das wohl geträumt haben muss. Sie sah ein wenig so aus, als sei sie beim Anstreichen unter einer Leiter hergeflogen, als der Farbeimer umkippte. Heute Morgen hat sie meinen Weg erneut gekreuzt und da habe ich Herrn Google um Rat gefragt.

 

Der NABU erklärt mir hier, dass es sich um eine harmlose Abnormität handelt, die bei städtischen Vögeln gelegentlich auftritt. In freier Natur hingegen haben diese Tiere kaum Überlebenschancen, da sie für Beutegreifer zu gut sichtbar sind.

 

Ich fühle mich mit der Amsel verschwistert, denn ich habe selbst eine Vitiligo. Das ist ein Zustand, bei dem die Melanine in der Haut ihre Fähigkeit aufgeben, sich zu färben. Bei Menschen geschieht das gemeinhin unter Sonneneinstrahlung. Lange Ärmel sind also im Sommer zwingend erforderlich, denn ein unsichtbarer Sonnenbrand ist bei mir vorprogrammiert. Da, wo die Zellen noch arbeiten, bin ich allerdings schön braun. Das hat ein wenig von einer Milchkuh…

 

Gut, dass ich nicht am Ende der Nahrungskette von Eichhörnchen, Elster und Bussard angesiedelt bin. Und dass ich über eine gewisse Abnormität verfüge, haben mir die Zuhörer bei meiner letzten Lesung bestätigt, bei der ich den einen oder anderen Protagonisten ohne mit der Wimper zu zucken über die Klinge springen ließ…

Aber wer will schon so sein, wie alle? Der Amsel auf meinem Weg machte es jedenfalls nichts aus, dass sie ein gemustertes Federkleid zu Markte trägt. Und ich hab mich an meine weißen Flecken gewöhnt.

 

Wenn Sie jetzt mal kurz ins Grübeln kommen: Was unterscheidet Sie grundlegend vom Rest der Welt?

Neues aus dem Blätterwald – Leder trifft Latte

Ich bin - erwähnte ich es schon? - Anhänger eines Gelsenkirchener Fußballclubs, der sich derzeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Umso mehr verleitet mich das, mit einem weiteren West-Verein zu fiebern, der gegen einen großen Konkurrenten angetreten ist. (Einen Konkurrenten, von dem man derzeit überlegt, ob man ihn zukünftig außer Konkurrenz spielen lassen soll. Ich finde das zwar sinnfrei, aber hier mögen Fußballanhänger mein rudimentäres Verständnis der Wettbewerbsregeln als Entschuldigung gelten lassen.)

Gestern jedoch ging es nicht um Meisterschale sondern um den Pokal. Ich sah eine Verlängerung, die scheinbar immer länger wurde. Gleichwohl trug auch der Kommentator ein rotweißes Trikot. Ihn kümmerte nicht, dass sich die Schlussminuten in Gummibandlänge dehnten. Doch der übliche Glückstreffer in letzter Sekunde blieb aus.

Dafür bescherte das Spiel uns ein Elfmeter-Duell beider Mannschaften. Mein Herzallerliebster orakelte zwei Fehlschüsse und einen Lattenschuss. Er sollte am Samstag Lotto spielen!!!)

Doch worauf ich eigentlich hinaus will: Deutschlands fähigster Torhüter, voll explosionsgeladener Arroganz, legte sich den Ball zurecht und schoss. Dabei vermittelte er einmal mehr den Eindruck, dass allein sein Eingreifen ausreicht, um das Spiel bayernseitig zu entscheiden. Doch weit gefehlt. Er trifft die Latte und zieht damit den schwarzen Peter. „Das kommt davon!“, möchte man rufen. Und ich, deren Bedauern sich in ähnlichen Fällen mit den Versagensängsten des Elfmeterschützen solidarisch zeigt, finde es gerecht und bin ein klein bisschen hämisch...

Neues aus dem Blätterwald – Lautstärkeregler erwünscht


Es gibt sie: Menschen, die alle alltäglichen Nebengeräusche übertönen und so dafür sorgen, dass sie sich bei ihrem Umfeld Gehör verschaffen. Gestern traf ich sie gleich zwei Mal. Den Herrn im Rentenalter, der seine Frau bei einem Discounter meines Vertrauens lautstark dazu aufforderte, sich doch endlich an der Kasse anzustellen. „Komm jetzt!“, keifte er (ein anderes Wort gibt es dafür nicht!). „Sonst wird die Schlange an der Kasse noch länger...“ und wies mit dem Kopf auf drei (!) anstehende Kunden, nebst Einkaufswagen.

Oder die junge Frau mit dem Kinderwagen bei ebendiesem Discounter. Ihre Stimme verfolgte mich während des gesamten Einkaufs, bei dem sie einer Freundin eher private Dinge zuwarf, für die unsereins die Stimme zu einem Flüstern gesenkt hätte.

Oder den, der mich vor Jahren durch sein Autofenster dazu aufforderte, ich solle meinen dicken A... schneller über die Straße bewegen. Der war so laut, dass sich die Passanten an der übernächsten Kreuzung noch umwandten, um in Erfahrung zu bringen, welche „Alte“ ihre Figur von der Fahrbahn wälzen sollte.


Geschrei ist mir zuwider. Wer sein Organ sinnvoll einsetzen will, sollte es mit Singen versuchen. Hier ist zwar gelegentlich auch piano angesagt, doch Hardrock & Co, würden den Vorlieben sicher entsprechen. Ein schalldichter Raum wäre genau das Richtige für Brüllaffen dieser Güteklasse. Das baut beim Redner Stress ab und bei ungewollten Zuhörern gar nicht erst auf.

Wo soll ich denn sonst mit der Info hin, dass die Schwiegermutter das Kind nimmt, während die junge Frau arbeiten muss. Aber nur ab fünf. Wenn das also nicht klappt, muss die andere Oma herhalten. Die arbeitet ja eh nur bis zwölf... Es gibt einfach Momente, da wünschte ich mir einen Lautstärkeregler.


Viele leise Töne finden Sie auch hier von A-Z.

Lange nicht gesehen
Es gibt Witze, über die kann man einfach nicht lachen. Und es gibt Witze, die werden plötzlich zur Wirklichkeit. So geschehen gestern, als ich in der Stadt war.

Ich bemerkte einen blinden Mann, der sich mit seinem weißen Langstock einen Weg durch die Menge der Passanten suchte, die zum Wochenendeinkauf in die Innenstadt strömte. Den zweiten Mann, ebenfalls blind und mit einem weißen Stock, sah ich zunächst nicht.

Das Erstaunliche aber geschah, als sie an der Ecke zusammentrafen, die für beide einen Richtungswechsel erforderlich machte. Sie sagten zueinander zwar nicht wortwörtlich „Lange nicht gesehen!“, aber der Dialog war doch sehr ähnlich.

In diesem Augenblick war mir der Vergleich mit dem uralten Kalauer noch gar nicht gekommen. Ich war damit beschäftigt, die Fähigkeit der beiden Männer zu bewundern, allein über ihr Gehör und die offenbar sehr individuelle Nutzung des Hilfsmittels in Form eines Stocks, einander wiederzuerkennen. Und ich glaube, das wäre auch nicht anders gewesen, wenn sie wortwörtlich gesagt hätten: „Lange nicht gesehen!“.

So ist das mit uns Menschen. Unsere Wahrnehmung ist zielgerichtet und eingeschränkt, solange wir alle Sinne zur Verfügung haben. Fehlt jedoch einer, sind wir anpassungsfähig genug, ihn zu ersetzen.

Aus einer Behinderung wird so für mich ein Grund zur Bewunderung. Ein Ohr, das so deutlich Geräusche vernimmt und unterscheiden kann, ist für die blinden Männer unerlässlich und trotzdem keine Selbstverständlichkeit.

Mancher von uns bemerkt einen Bekannten erst, wenn dieser ihm auf die Schulter tippt. Oft genug haben wir unsere Sinne nicht beisammen haben, obwohl sie uns zur Verfügung stehen. Abgelenkt von allem, was uns beschäftigt, sind wir gelegentlich blind und taub. Diese Unaufmerksamkeit lässt uns vieles übersehen oder überhören, das uns eine neue Balance der wichtigen Dinge des Lebens ermöglichen könnte – dazu gehört auch ein Gespräch unter Freunden, die man zufällig trifft. In diesem Sinne: „Lange nicht gesehen!“

Im Landeanflug

Sie sind wieder im Landeanflug. Nein, nicht die Billigflieger und Chartermaschinen aus Mallorca oder Ibiza. (Obwohl, die vermutlich auch.) Aber ich spreche von den blutgierigen Tieren, denen wir mit unserem roten Saft den Sommer versüßen dürfen. Aktuell wird vor dem Auftauchen der gemeinen Stechmücke, lat. Culex pipiens gewarnt. Und das Allerschlimmste ist: Kaum ein Mittel, das dem Homo Sapiens zum Schutz dienen soll, hält das, was es verspricht. Also Augen auf beim Mückenspraykauf!

Ich mache mich ein bisschen kundig. Was ich lese, klingt wie aus einem waschechten Thriller und das liegt nicht nur am Blut. Der Wissenschaftler, dem ich den Text verdanke, erklärt mir, dass allein die weibliche Stechmücke sich auf menschliche Körper stürzt. Sie benötigt die Proteine zur Aufzucht des Nachwuchses. (Unsere männliche Spezies benötigt im Fitnessstudio die Proteine für gänzlich andere Dinge).

Der Profi formulierte den Mückenangriff so: […Die gemeine Stechmücke dringt auch in Wohnungen ein…, sie vergewissert sich, dass sie von ihrem Opfer nicht bemerkt wird…sie sucht nach Blutgefäßen… bohrt ihre Mundwerkzeuge tief in die Haut.] Wenn das mal nicht gruselig und gemein klingt?!

Ich weiß nicht, welches Mückenmittel Ihr freundlicher Tankwart empfiehlt (allen, die nach 1975 geboren wurden, erkläre ich diese Formulierung gerne persönlich). Aber in jedem Fall sollten Sie vorsorgen. Sichern Sie Ihr Heim gegen die perfiden Angriffe ganzer weiblicher Stechmücken-Armaden. Dann kann der Sommer kommen, denn außer den Charterflügen erwarte ich keine Bedrohung von oben…

Rettet die Lego-Mädchen

Eine Siebenjährige hat es kapiert und den Lego-Herstellern die Meinung gegeigt.
Ihr missfällt, dass Pink die einzige Farbe zu sein scheint, in die sich die Lego-Dame von Welt kleidet. (Ich stelle fest, ich bin froh, keine Legofrau zu sein. Müsste ich ständig in Pink oder Rosa flanieren, wäre ich äußerst ungehalten.)
Punkt zwei auf Charlottes Mängelliste: Warum tut die moderne Lego-Frau nichts anderes als Shoppen, Herumsitzen und gut aussehen? Da haben die Macher der Bauklötze wahrscheinlich selbige gestaunt. (Und Alice Schwarzer hat eine Ablösung gefunden, gerade zum rechten Zeitpunkt, will mir scheinen.)
Frauen tun selbstverständlich all das, was auch Männer tun.
Wer das noch nicht mitbekommen hat, lebt vermutlich inmitten eines Berges aus Legosteinen. Wir arbeiten, wir erleben Abenteuer, wir retten Menschen, einige von uns hinterziehen Steuern und manch eine schwimmt tatsächlich auch mit Haien… So, jetzt habt ihr’s. Das könnt ihr euch hinter die Ohren schreiben.
Und fangt endlich an, dass auch die Legofrauen Spaß am wahren Leben haben. Das wünscht sich nicht nur die siebenjährige Charlotte…

Landmarke adé

Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, aufgewachsen zwischen Fördertürmen, die das Aussehen unserer Region bestimmten. Heute sollte wieder einer von ihnen weichen. Kiloweise Sprengstoff wurde dafür von einem Sprengmeister fachkundig verteilt. Und als der Knopf gedrückt wurde und die Sirene aufheulte, waren mindestens 500 Neugierige vor Ort.

Ich hab mir das Zuschauen erspart. Es ist nicht der erste Turm, der hier in der Gegend fällt und vermutlich auch nicht der letzte. Was aber mit ihnen geht, ist die Bedeutung einer Stadt, die einst größte Bergbaustadt Europas war. Das ist seit den 80er Jahren längst Geschichte, doch die stolzen Türme der Arbeiter erinnerten noch daran.

Ich selbst habe die grauen Schleier des Ruhrgebiets weder kennengelernt, noch vermisse ich sie. Doch die Funktion der Förderanlagen als Landmarken war ebenso bedeutend. Man stelle sich einmal vor, an der Nordsee würden die Leuchttürme gesprengt, nur weil man zu Zeiten von GPS & Co ohne sie auskäme.

Die Zuschauer sollen sich bestens unterhalten haben, so hörte ich. Von hartem Kruppstahl, der nicht wanken wird und der Aufforderung, gemeinsam zu pusten, damit das Ding am Ende doch noch fällt. Typische Bemerkungen von Ruhrpottlern, sozusagen. Und dann fällt er doch –  mithilfe eines Stahlseils und eines Baggers. Nu isser hinüber. Schade eigentlich!

Der Limburger Schwindel

Es ist Samstag und ich sehe fern. Ausnahmsweise. Meist komme ich nur dazu, die aktuellen Nachrichten zu sehen. Man muss ja schließlich auf dem Laufenden sein. Und was da so läuft, ist in den letzten Tagen wenig erfreulich – vor allem für uns Katholiken. Da wird von horrenden Geldbeträgen gesprochen, die für Adventskränze und Besprechungstische draufgegangen sind. Kaum bemerkt der Zuschauer, dass die Kosten für die gesamten Umbaumaßnahmen ins Unermessliche gehen. Ein Bischof, der mit einem Namen wie ein geschichtsträchtiger Fürstbischof daherkommt, gerät ins Gerede. Zu Recht, wie mir scheint.
Beim Versuch, hinter das Geheimnis zu kommen wird gelogen, dass sich die Limburger Balken biegen.
Schade, doch ich versuche im Blick zu behalten, dass er auch nur ein Mensch ist. Und Hand aufs Herz - Sie und ich, wir schwindeln doch auch gelegentlich, wenn wir in die Ecke gedrängt werden.
Und dann kommt sie, die Werbung, die mich textlich inspiriert. Da wird ein Medikament angeboten gegen den Schwindel. Und was denke ich? Ja klasse, das wär doch sicher auch was für den Herrn Bischof.
Vielleicht fällt es ihm damit leichter, die Fehler einzugestehen, die ihm unterlaufen sind. Klar weiß ich, dass dies nicht die medizinische Wirkung des Präparates umschreibt. Macht aber nichts. So ein paar Wahrheitstropfen wären trotzdem nicht schlecht. Sicher auch für manchen Politiker. Dann aber vor der nächsten Wahl. Jetzt rücken die bald von allein mit den Ideen raus, die sie vor der Stimmabgabe verschleiert haben.
Man lernt doch was beim Fernsehen, denke ich und drücke auf den roten Knopf der Fernbedienung. Oder schau ich doch den Krimi? Meistens arbeite ich ja, statt mich sinnlosem Vergnügen hinzugeben…

Der kleine Lauschangriff

Ich gebe zu, sein großer Bruder beherrscht seit Wochen die Medien und bringt einem naiven Informanten unerwartete
Heimatlosigkeit. Aber mal ehrlich: Petzen ist auch unfein. Haben wir schon als Kinder gelernt. Verpetz deine Freunde und du musst damit rechnen, dass keiner mehr mit dir spielen will. Das weiß er jetzt auch, der arme Herr S. aus A. Doch die Erkenntnis kommt zu spät.


Aber darauf wollte ich gar nicht näher eingehen. Das serviert uns tagtäglich die weltweite Medienlandschaft. Wobei ich längst den bedauere, der die stundenlangen Telefonate mit meiner besten Freundin abhören muss. Wenn wir von neuen Stilettos reden, denkt er hoffentlich nicht, es gehe um eine neue Geheimwaffe. Wenn ER eine SIE ist, ist das allerdings kein Problem, denke ich.

Als ich vor Wochen eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Die Frau, die Facebook kaputt gemacht hat“ schrieb und sie in der gleichnamigen FB-Gruppe veröffentlichte, beobachtete ich tagelang die Passanten auf dem Gehweg hinter mir. Immer aus dem Augenwinkel und in jedem Schaufenster. Man kann ja nie
wissen.

Ich frage mich nur, warum wir alle so überrascht waren. George Orwell wusste schon 1949 davon zu erzählen. […BIG BROTHER IS WATCHING YOU] (Ich zitiere das vorsichtshalber). Zu Schülerzeiten ein Bonmot, wenn der Lehrer sich in die Nähe der Raucherecke begab. In Orwells Leben, den der Geheimdienst nachweislich jahrelang auf der Überprüfungsliste hatte, jedoch eine Tatsache.

Mein Lauschangriff sieht anders aus.

Er wiegt etwa 30 kg, ist blond, kurzhaarig und ausgesprochen gutmütig. Werfe ich eine Käserinde in sein Töpfchen, hört er das selbst in angrenzenden Räumen durch geschlossene Türen hindurch. Und er tut das nicht heimlich, sondern ganz
offensichtlich, denn Sekunden später steht er erwartungsvoll wedelnd da und bittet um die Erlaubnis, die Gabe fressen zu dürfen.
Wackle ich mit der Leine, springt er auf und freut sich auf einen Spaziergang mit mir.
Läuft am Sonntagabend der Tatortabspann, brauche ich gar nicht erst zur Leine zu greifen. Die bekannte Melodie ist Signal genug.

Und selbst wenn er schläft, scheint noch in sein Bewusstsein zu sickern, was durch die Wände dringen könnte. Wenn Sie das Bild genau anschauen, sehen Sie jedoch dass der Hund nur mit halbem Ohr zuhört. Deshalb wage ich mit Fug und Recht von einem
kleinen Lauschangriff zu sprechen. Und er petzt garantiert nicht. Egal, was ich tue. Deshalb will auch jeder gerne mit ihm spielen. Er darf hier wohnen bleiben und muss nicht um Hundeasyl betteln.

Langeweile und keine Lust

So hatte ich mir das für mein alphabetisch sortiertes Projekt „Neues aus dem Blätterwald" nicht gedacht. Nun aber springt mich beim Buchstaben „L“ ausgerechnet die Langeweile an.

Per Definition ist die Grundbedeutung der Langeweile [...eine Emotion, die das subjektive Verstreichen der Zeit beschreibt, währenddessen der Mensch keinerlei Ablenkung von außen oder innen erfährt. Folge der Langeweile sei vor allem eine spürbare Unlust.] Ach nee! Langeweile entsteht durch Monotonie des Alltags, lese ich.
Hier bin ich nicht d’accord. Über mangelnde Abwechslung kann ich nicht klagen.
Sie definiert sich über das Empfinden der Sinnlosigkeit des eigenen Daseins.

Halt! Stopp! Jetzt muss ich mal eingreifen. Ich empfinde mein Dasein nicht als sinnlos. Ich habe einfach nur keine Lust, etwas zu tun und zugleich auch keine Lust, tatenlos herumzusitzen. Dieses Dilemma gilt es zu lösen. Das geht vielleicht am besten draußen.

Ich radle durch die Landschaft, neben mir mein Hund.
Mein Blick fällt auf ein halb abgemähtes Kornfeld. Drei Reihen voller stacheliger Halme neben unzähligen Reihen wogenden Korns. Entweder teilt der Bauer mein aktuelles Problem, oder er hat bis zum Einbruch der Dunkelheit die Arbeit nicht beenden können.
Die frische Luft tat mir gut, aber meine Langeweile hat sie nicht vertrieben.

Ich könnte jetzt was tun, worauf ich gar keine Lust habe. Bügeln zum Beispiel, oder Fensterputzen. Das unangenehme Gefühl der Langeweile übertüncht inzwischen sowieso alle weiteren Emotionen. Zu dumm, dass ich all das schon erledigt habe.

Ich könnte an meinem Roman weiterschreiben. Aber ich habe eine gute Ausrede: Ich warte dringend auf ein Rechercheergebnis, das mit in den Plot einfließen muss. Solange das nicht da ist…, …könnte ich an einer anderen Stelle weitermachen, aber auch dazu habe ich keine Lust.
Das klingt nach einer Schreibblockade, getarnt als Zustand allgemeiner Langeweile. Ist es aber nicht. Schließlich sitze ich hier und tippe. Das kann es also nicht sein.
Ich starre Hank an, meinen neuen Motivator, der neben meiner Tastatur sitzt. Er schielt unschuldig zurück. Von dort ist also keine Hilfe zu erwarten.

Wie wär es mit Schlafen?
Ist auch langweilig, finden Sie? Stimmt. Das ist keine Alternative morgens um neun.

Und was mache ich nun?
Mir kommt ein altes Sprichwort in den Sinn: „Gut Ding will Weile haben“. Vielleicht gilt das auch für die Langeweile? Ich könnte ihr nachgeben, ihr so viel Zeit einräumen, wie sie benötigt, um von allein zu verschwinden. Ich kann sie mit offenen Armen willkommen heißen, als Abwechslung von der Hektik des üblichen Alltags. Ich kann tief in sie eintauchen, bis mir die Luft wegbleibt und ich von alleine hochkomme, um Atem zu schöpfen. Ich warte einfach ab. Und ich bin sicher, dass es der Langeweile vor lauter Akzeptanz bald langweilig wird bei mir.